Kunst von Frauen
Weibliche Emanzipationsgeschichte hat viele Facetten und gerade im künstlerischen Bereich eine besonders augenfällige Entwicklung vorzuweisen. Sie wird in dieser spannenden Anthologie in Text und exzellenten Farbabbildungen entlang einer, nach dem
Geburtsjahr der Protagonistinnen geordneten Zeitleiste nachvollziehbar aufgezeigt. Im Mittelpunkt stehen die dabei angewandten "weiblichen Techniken": weben, nähen, spinnen, die traditionell - ohne jeglichen Anspruch - eher dem häuslichen Bereich und der Produktherstellung im Alltag zugeordnet waren. Welche innovative Erweiterung des damit Möglichen bis in die Bereiche der Hochkunst bzw. des Designs (Stichworte: soft sculpture, wearable art oder Faserkunstbewegung) in diesem Zeitraum stattgefunden hat, ist außergewöhnlich. Unkonventionell, ausdrucksstark in den gewählten Themen und in der Verschiebung materialtechnischer Grenzen, erhält Textilkunst (unter der Prämisse besonders enger Materialverbundenheit) eine neue Ästhetik, Aufwertung und Rezeption. Die hier versammelten Biografien und Werke von 33 Frauen, aus aller Welt und vielen Kulturkreisen, dokumentieren in neuem Selbstverständnis die ganze Bandbreite ihres künstlerischen Anspruchs und ihrer Visionen: freigeistig, richtungsweisend und nicht selten provokant. Sie wurden mit feministischer Sicht und durchsetzungsstarker Energie fulminant verwirklicht. Diese literarische Entdeckungsreise in die Welt weiblicher Avantgardekunst ist allen Kunstbeständen als "zeitgeistige" Anschaffung sehr zu empfehlen.
Elisabeth Burgis
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Kunst von Frauen
Ferren Gipson ; [Übersetzung aus dem Englischen: Daniela Papenberg]
Prestel (2023)
222 Seiten : zahlreiche Illustrationen (überwiegend farbig)
fest geb.