Atlas der Kunstverbrechen
Laura Evans behandelt in kurzen Beiträgen Kunstverbrechen. Kunstwerke wurden und werden nicht nur legal gehandelt, oft genug werden sie gestohlen, dazu kommen Vandalismus und hier und da auch Fälschungen. Den Schwerpunkt legt die Autorin dabei auf
Diebstähle, die vor allem im 20. Jh. stattgefunden haben. Jeder Fall wird (reich bebildert) sehr kurz, meist nur auf zwei Seiten abgehandelt. Allgemein ist der Titel "Atlas" etwas übertrieben, denn die Autorin beschreibt zwar anschaulich Kunstdiebstähle sowie (in deutlich geringerem Maße) Kunstvandalismus und Kunstfälschungen, aber insgesamt beschränkt sie sich dabei mit wenigen Ausnahmen auf Gemälde in Europa, Nordamerika und Australien mit eindeutigem Schwerpunkt auf dem englischsprachigen Raum. Auch ist ihr Blick auf Kunst ein sehr traditioneller. Wie steht es um antike, orientalische, asiatische, amerikanische, afrikanische Kunst? Andere Kunstformen als Gemälde? Sie finden in diesem Band nicht statt, darüber können auch vereinzelte Einträge etwa zu Verbrechen an chinesischer Kunst nicht hinwegtäuschen. Das ist 2024 enttäuschend. Alles in allem bleibt so ein gut lesbares, letztlich nie in die Tiefe gehendes Prachtwerk zu fast ausschließlich Kunst europäischer Herkunft bzw. den Verbrechen an ihr. Das ist nicht wenig und bei so manchem Kunstwerk, das verschwunden oder beschädigt geblieben ist, möchte man weinen. Für größere Bestände.
Friedrich Röhrer-Ertl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Atlas der Kunstverbrechen
Laura Evans ; Übersetzung: Julia Voigt [und eine weitere]
Prestel (2024)
224 Seiten : zahlreiche Illustrationen (teilweise farbig)
fest geb.