"So geht das Morden täglich weiter"
Der einer Oberpfälzer Adelsfamilie entstammende Carl-August von Drechsel führte Tagebuch über seinen Einsatz als Delegierter des Bayerischen Roten Kreuzes. Während des Ersten Weltkrieges war er hinter der Westfront für einen 50 km langen Abschnitt
zwischen Metz und Verdun verantwortlich, hatte dabei viele Ärzte, Schwestern und Pfleger zu betreuen und war verantwortlich für mehrere Lazarettzüge. Drechsel erlebte nicht das grausame Geschehen im Schützengraben. Er besorgte die Logistik der Verwundeten-Versorgung. Seine Erinnerungen sind von besonderem Interesse, weil hier die sonst weniger bekannte Rolle des Roten Kreuzes im Krieg angesprochen wird und auch von den Spannungen zwischen den Militärs und dem Roten Kreuz die Rede ist. Graf Drechsel zeigt sich besonders interessiert an der unter der deutschen Besatzung leidenden Zivilbevölkerung, an der Schönheit der Landschaft und der Kunst der Gegend. Als gläubiger Katholik besucht er möglichst täglich die heilige Messe. Er hält Kontakt zur Bevölkerung und erliegt keineswegs dem Hurra-Patriotismus. - Eine eindringliche und informative Lektüre.
Hans Niedermayer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
"So geht das Morden täglich weiter"
hrsg. von Stefan Schomann
Pustet (2014)
213 S. : Ill., Kt.
fest geb.