Heuschrecken und wilder Honig
Zum Grundwissen über Johannes dem Täufer zählt seine Genügsamkeit in Sachen Kulinarik: Heuschrecken und wilder Honig sollen auf dem Speiseplan gestanden haben. Doch damit verflacht, ja negiert man die tragische Heilsgeschichte dieses letzten Propheten
vor Christus. Welche überraschenden Dimensionen in Johannes verborgen sind, seine wegweisende Orientierung für Christen unserer Zeit ist die Mission des Autors Erwin Möde. Täufer, Lehrer, Rufer in der Wüste? Eine oberflächliche Verkürzung seines Beitrags zum Erlösungswerk Jesu, so lässt sich der Ausgangspunkt des Theologieprofessor der Kath. Universität Eichstätt zusammenfassen. Als Theologe und Psychologe verläuft Mödes Annäherung gekonnt vielschichtig, ja man muss ihm auch eine Gabe zum mystischen Verständnis seines Antagonisten zuerkennen. Wer die konzentrierte Lektüre nicht scheut, wird mannigfaltig belohnt. Jenseits frommer Klischees inspiriert der Heilige für eine Christologie der Überwältigung durch das ganz Andere. Er ist ein apokalyptischer Geist, der das Geheimnis weiter offenbart, ganz besonders für uns Verwirrte in der Moderne. Das Werk will kapitelweise gelesen werden, mit Pausen zur Reflexion dazwischen. Kein leichter Stoff, aber ein ertragsreicher. Nichts für jeden, aber Labsal für Pilger durch die Zeit. Eine Empfehlung für jeden Bestand.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Heuschrecken und wilder Honig
Erwin Möde
Verlag Friedrich Pustet (2024)
188 Seiten
kt.