Rückkehr der Religion - passé?
Wie transzendenzaffin sind Texte der Gegenwartskultur? Das ist die Leitfrage, die diese Texte einer Tagung in der Katholischen Akademie in Bayern im November 2022 verbindet. Katholische Literatur im Sinne von Bekenntnis- und ‚Propagandaliteratur‘
(K. Wolfinger) gibt es schon lange nicht mehr, aber immer wieder finden sich in der Literatur Elemente des Katholizismus (oder weiter gefasst des Christlichen) als „Traditions- oder Echoraum der Welterzeugung“, so die Germanistin C. Stockinger. Ihr Fazit der Analyse einiger zeitgenössischer Romane u.a. von Angela Lehner und Andreas Maier: „Gott/Religion wurde so nicht nur zu einem Mittel im Kampf junger Autoren um Aufmerksamkeit auf einem umkämpften Markt, sondern sie wurde zu einem Ermöglichungsraum für eben jene Eigenwertigkeit von Literatur, die im öffentlichen Diskurs einer Ökonomisierung (auch) der Literatur verloren zu gehen droht(e).“ Der Tagungsband ist eine Fundgrube für Literatur, in die Spuren des Christlichen eingeflossen ist, und damit empfehlenswert für alle an der Verbindung von Religion und (Gegenwarts-)Literatur Interessierten, kommt aber deswegen wohl vor allem für große Büchereien in Frage.
Christoph Holzapfel
rezensiert für den Borromäusverein.
Rückkehr der Religion - passé?
Kay Wolfinger, Klaus Wolf (Hg.)
Verlag Friedrich Pustet (2026)
173 Seiten : Illustrationen
kt.