Melkorkas Schweigen
Die amerikanische Autorin Donna Jo Napoli ist Professorin für romanische Sprachen und Linguistik, begibt sich mit ihrem Jugendbuch aber in den nordischen Kulturkreis. An eine isländische Saga anknüpfend schildert sie das Schicksal der irischen Königstochter
Melkorka, die im Jahre 900, als die Wikinger die Küsten unsicher machen, von russischen Sklavenjägern brutal aus Irland entführt wird und auf einer äußerst entbehrungsreichen Schiffsreise über Finnland auf den Sklavenmarkt in Miklagard (altnordisch für Konstantinopel) und später über Norwegen als Sklavin eines Wikingerhäuptlings bis nach Island gelangt. - Das fesselnde, historisch dichte, eindringliche, auch harte Buch enttäuscht zuletzt, weil kein Erzählfaden zu Ende gesponnen wird, was man bei einem derart ereignisorientierten Buch erwarten muss. Als historisches Zeitgemälde zum Leben im mittelalterlichen Nordeuropa und Zeuge einer zart keimenden Christianisierung aber ist es nicht nur für neugierige Jugendliche äußerst lesenswert.
Birgit Karnbach
rezensiert für den Borromäusverein.
Melkorkas Schweigen
Donna Jo Napoli
Sauerländer (2011)
248 S.
fest geb.