Seidenweg
Sinem ist in Deutschland geboren, bereitet sich fleißig aufs Abi vor, geht am Wochenende mit ihren Freunden weg. Sie ist also eine ganz normale Jugendliche, aber trotzdem lassen sie andere oft spüren, dass sie anders ist, nicht dazugehört. Ihr Migrationshintergrund
ist der Grund für ihre absackenden Noten bei ihrem rassistischen neuen Deutschlehrer, aber natürlich glaubt ihr niemand. Sie solle sich mehr anstrengen, wird ihr gesagt. Wahrscheinlich habe sie Probleme zu Hause mit einem zu strengen Vater, wird vermutet, als Sinem niedergeschlagen ist. Als ihr Vater ihr dann sogar den Umgang mit Bela, ihrem Schwarm, verbietet, ist Sinem geschockt. Entwickeln sie sich etwa zu einer stereotypischen unangepassten Migrationsfamilie? Das junge Mädchen beginnt zu zweifeln: Will sie wirklich in einem Land leben, in dem sie nicht willkommen ist? In dem nicht ihre Leistungen zählen, sondern ihr ausländischer Name? - Dieser Jugendroman behandelt das "Migrationsproblem" endlich einmal von der anderen Seite. Es sind nicht immer die Einwanderer, die sich nicht anpassen wollen, auch die Einheimischen tragen ihren Teil bei zur fehlenden Integration. Vorurteile, Intoleranz und Ignoranz sind weit verbreitet, sobald es um Ausländer geht. Unbedingt empfehlenswert für alle Büchereien.
Verena Aignesberger
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Seidenweg
Aygen-Sibel Çelik
Ueberreuter (2012)
143 S.
fest geb.