Neben der Spur
Schizophrenie ist mit dem Odium der Unberechenbarkeit und Unheilbarkeit behaftet. Dass dies eine Fehleinschätzung ist, beweist die Autorin, die in bewundernswerter Offenheit mit ihrer zurückliegenden massiven schizophrenen Psychose umgeht. Sie reflektiert
ihre verrückten Gedanken, Wahnvorstellungen, seltsamen Handlungen und ihren aggressiven, verstörenden Umgang mit den Mitmenschen und erzählt gleichzeitig, wie sie nach ihrer Genesung und Entlassung aus der Klinik mit den Menschen, die sie verletzt hat, Kontakt aufnimmt, um sich zu entschuldigen und deren Gefühle über ihr damaliges Verhalten zu erfahren. Ihre Botschaft und Forderung als Betroffene ist, dass in der Öffentlichkeit sowohl eine breitere Diskussion über psychische Erkrankungen geführt als auch den Erkrankten mit "offenem Visier" begegnet und ihnen als wichtigste Hilfe Verständnis und Empathie angeboten wird. Das Buch ist eine Anregung und ein wirkungsvolles Angebot für alle, die mit psychischen Erkrankungen in Kontakt kommen.
Helmut Eggl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Neben der Spur
Christiane Wirtz
Dietz (2018)
198 S.
kt.