Schwestern
Nach dem Tod des Vaters treffen sich die beiden Zwillingsschwestern Marinella und Alessandra in der Wohnung. Die Streitereien der Kindheit setzen sich fort, alte Bilder steigen auf. Die Gegensätze zwischen den Schwestern könnten größer nicht sein:
Alessandra erfolgreich, aggressiv, dominant gegenüber Marinella - diese erfolglos, zurückgezogen, unterwürfig. Der Vater, der die Familie mit den beiden Töchtern früh (schon vor 40 Jahren) verlassen hat, lebt sein eigenes Leben, sehnt sich jedoch stets nach einer Begegnung. Alte Geschichten aus der Vergangenheit werden herausgekramt, um als Abrechnung und Vergeltung zu dienen. Es stellt sich heraus, dass die scheinbar so perfekte Alessandra von ihrem Mann verlassen wird. Das Glück der einen: rissig, vorbei. Das unscheinbare Dasein der anderen: verliebt, glücklich - doch nur eine Erfindung. Beide Schwestern haben unabhängig voneinander doch den Vater besucht. Und warum hat er die Familie verlassen? Um ihnen mit dem Hass auf sich die Kraft zum Weiterleben zu geben. Im Geiste der aristotelischen Drei-Einheiten-Lehre des Dramas spielt der Roman an einem Ort, ohne große Zeitsprünge und Nebenhandlungen. Der Dialog der beiden Schwestern wird kaum unterbrochen; die Gehässigkeiten nehmen zu; unversöhnlich endet der Roman in "einem dunklen, schäumenden Strudel [...] des Nichtgesagten". Allen Büchereien sehr empfohlen. (Übers.: Esther Hansen)
Wilfried Funke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Schwestern
Marcello Fois
Wagenbach (2015)
Wagenbach Salto
134 S. : Ill.
fest geb.