Stabat mater

Cecilia, als Neugeborene vor einem von Nonnen betriebenen Waisenhaus abgelegt, wächst in der klösterlichen Umgebung auf und reift zu einer Spitzengeigerin heran. Der in der Ich-Perspektive in Tagebuchform an "Frau Mutter" gerichtete Lebensbericht Stabat mater wird getrieben von der Suche nach den Motiven und Lebensumständen ihrer Mutter. In zahlreichen inhaltlichen Anleihen wird das Leben der Waisen hinterfragend an die "Stabat mater", die schmerzhafte Mutter Christi, vorgestellt. Ein zweiter Erzählstrang widmet sich der frühen musikalischen Förderung der Waisen, die im Kloster hohe Tradition hat und durch Don Antonio, einen jungen komponierenden Priester, auch in der Stadtgesellschaft und bei den Förderern des Klosters hohe Anerkennung findet. Der anfängliche Zorn Cecilias gegenüber der Mutter, sie dem Klosterleben, der Musik, der Liturgie ausgesetzt zu haben, entwickelt sich zur Freude, durch die eigenen Fähigkeiten Anerkennung zu finden und endlich auch ohne Maske auftreten zu dürfen. - Scarpa zeichnet - in hoher Verehrung für die Musik von Antonio Vivaldi - ein reflexionsreiches Mädchen- und Frauenleben nah an dem historischen Wissen über die kirchlichen Waisenhäuser als frühe Musikschulen in Venedig um 1700. Die geringe Seitenzahl sollte angesichts der kleinen Schriftgröße kein Anschaffungshemmnis sein. Ebenso nicht die Tatsache, dass der Roman erstmals 2009 in der Reihe Wagenbach Quartbuch erschien. Empfehlenswert.

Rolf Pitsch

Rolf Pitsch

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Stabat mater

Stabat mater

Tiziano Scarpa ; aus dem Italienischen von Olaf Matthias Roth
Verlag Klaus Wagenbach (2022)

140 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 751062
ISBN 978-3-8031-1370-2
9783803113702
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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