Oben Erde, unten Himmel

Die 25-jährige Japanerin Suzu lebt nach dem Abbruch ihres Studiums zunehmend vereinsamt, Dating-Börsen sind allenfalls Unterhaltung, der Kontakt zu den Eltern verrinnt. Durch eine Stellenausschreibung wird sie Leichenfundortreinigerin bei Herrn Sakai, Oben Erde, unten Himmel dessen kleine Firma sich darauf spezialisiert hat, die Wohnungen von einsam Verstorbenen, oft erst nach Wochen gefunden, zu reinigen und die Hinterlassenschaften gegenüber dem Verstorbenen und den Hinterbliebenen mit Respekt und Pietät zu reinigen. Das kleine Team versteht seine Arbeit als Dienst an der "Einsamkeit als Volkskrankheit". Die beklemmenden, immer wieder überfordernden Konfrontationen mit den biologischen Folgen des Todes entwickeln sich für die Ich-Erzählerin Suzu als Chance, ins Leben zu finden. Normale Formen der Begegnungen im Arbeitsteam oder der Nachbarschaft werden für die bisher eher autistisch auf die Umgebung Reagierende zu alltäglichen Gepflogenheiten. - Ein spannender, sprachlich gekonnter Roman mit Sprachwitz, der mit seiner Jahreszeitengliederung auf eine eigene Art die Lebensfülle umschließt. Die Detailschilderungen der Wohnungsauflösungen sind immer wieder "harte Kost". - Gerne empfohlen für an ungewöhnlichen Lebensläufen interessierte Leser:innen.

Rolf Pitsch

Rolf Pitsch

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Oben Erde, unten Himmel

Oben Erde, unten Himmel

Milena Michiko Flasar
Verlag Klaus Wagenbach (2023)

296 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 751791
ISBN 978-3-8031-3353-3
9783803133533
ca. 26,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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