24/7
Der althergebrachte Wechsel von Licht und Dunkel, von Tätigkeit und Ruhe, Arbeit und Erholung wird in der Gegenwart aufgebrochen durch eine permanent eingeschaltete Welt, in der der Schlaf nicht mehr als Naturnotwendigkeit aufgefasst wird. Im Bild
von 24/7 wird eine Gegenwart projektiert, die im 24-Stundentakt sieben Tage in der Woche ein Angebot von beständig verfügbaren Reizen und Attraktionen unterbreitet. Mit Beispielen aus Philosophie und Literatur schildert der Autor den Verlauf der Modernisierung seit dem 19. Jh. Seine Kritik richtet er gegen die Fernsehwelt, die die zwischenmenschliche Basis bedeutungslos werden lässt, und die neuen elektronischen Geräte und technischen Möglichkeiten, die Pseudobedürfnisse schaffen, Entscheidungsfindungen verkürzen, die Zeit fürs Überlegen und Nachdenken beseitigen und an die wir die Verantwortung für unsere Lebensführung abtreten. Die in gehobener, manchmal marxistisch anmutender Sprache geführte Argumentation regt zum Nachdenken über den Umgang mit den neuen medialen Geräten und den daraus resultierenden Folgen an.
Helmut Eggl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
24/7
Jonathan Crary
Wagenbach (2014)
108 S.
fest geb.