Ritter im Exil
Der wechselvollen Geschichte der Johanniter - neben den Templern und dem Deutschen Orden der dritte bedeutende Ritterorden - geht Karin Schneider-Ferber detailliert nach. Anschaulich schildert sie die ordensinternen Entwicklungen und bindet sie in
den historischen Kontext ein. Von Anfang an lag für den "Ritterorden vom Hospital des hl. Johannes in Jerusalem" die Priorität in der Fürsorge für Kranke und Pilger, die seit der Spätantike nach Jerusalem strömten. Dem karitativen Schwerpunkt wurde unter dem Zwang der Verteidigung gegen das muslimische Umland ein militärischer hinzugefügt, was zunehmend die Ordensstruktur veränderte und letztlich zur Beschränkung auf militärische Funktionen führte. Nach der Vertreibung aus dem Hl. Land (1271) gelang den Johannitern - begünstigt durch die Übertragung der Besitztümer des aufgelösten Templerordens - ein Neuanfang auf Zypern. Die dem Orden geglückte Eroberung der von Byzanz beherrschten Insel Rhodos (1309) ermöglichte ihnen die Errichtung eines eigenen, wirtschaftlich wie kulturell blühenden Staates, der erst nach 213 Jahren durch die muslimische Inbesitznahme (1522) ein Ende fand. Auf Malta - von Kaiser Karl V. mit der Auflage zugeteilt, die Seewege zu sichern - begründeten sie ihren endgültig letzten Ordensstaat, in dem aber im Laufe der Zeit moralischer Verfall, Stagnation, vor allem ein verändertes Türkenbild den Untergang einläuteten, den dann Napoleon 1798 vollzog. - Empfehlenswert für große Bestände!
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ritter im Exil
Karin Schneider-Ferber
Theiss (2016)
262 S. : Ill.
fest geb.