Libellen im Kopf
Abigail Williams will beim Kochen eine Dose Tomaten bei ihrem Nachbarn holen, findet diesen aber tot in seiner Wohnung. Sie nimmt dieses Ereignis als Anlass für eine Geschichte, die sie einem Magazin verkaufen will, geriert sie sich doch als Autorin.
Das gelingt auch und eine zweite Geschichte wird auch noch angenommen. Nun wird sie regelrecht euphorisch, sieht sich auf dem Erfolgstrip und trotz der Warnungen und Vorbehalte ihres Freundes Beck beginnt sie eine Einkaufstour in London. Alkohol und Drogen verdrängen gelegentlich aufkommenden Realitätssinn. Sie nimmt in einem Nobelhotel ein Zimmer, kommt in der Hotelbar mit einem Mann in Kontakt und nimmt ihn mit auf ihr Zimmer, wo es dann aber zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung kommt. Als sie ihre Therapeutin verständigt, veranlasst diese ihre Einweisung in die geschlossene Abteilung des psychiatrischen Krankenhauses. Die vielen Wochen in der Psychiatrie bringen Abby allmählich wieder in die Lage, sich der realen Welt zu stellen. - Diese Geschichte hat wohl teilweise autobiografische Züge; dies geht aus den ausführlichen Anmerkungen des Autors am Schluss des Romans hervor. Amüsant und traurig, anrührend und einfühlsam erzählt der Autor auf bemerkenswerte Art und Weise die Geschichte der depressiven Abigail. Die Gedankengänge der Protagonistin werden in Ich-Form eindringlich geschildert. Ein Buch, das allen Büchereinen ohne Einschränkungen zu empfehlen ist. (Übers.: Alexandra Ernst)
Erwin Wieser
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Libellen im Kopf
Gavin Extence
Limes (2016)
347 S. : Ill.
fest geb.