Das Jahr der wundersamen Begegnungen
Am Ende des Zweiten Weltkriegs hat Francis Drake einem Kameraden am Sterbebett versprochen, dessen Brief an seinen Vater persönlich zu überreichen. 1947 reist er nach Cornwall, um sein Versprechen einzulösen. Ihn quält die Sehnsucht nach seinem
Vater, ohne den er aufwuchs, ebenso wie die Sehnsucht nach Missy, in die er sich als 11-Jähriger verliebt hatte und die ihn nach einer kurzen Affäre verließ. Missy erzählte Francis seinerzeit von einer Frau, die behauptete, von einer Meerjungfrau abzustammen. Ausgerechnet in Cornwall lernt er diese inzwischen 89 Jahre alte Frau kennen. Sie nimmt ihn auf, als habe sie auf ihn gewartet. Durch ihre Erzählungen kann er den Spuren seines Vaters folgen. - Ein Roman, der in bildhafter und poetisch-andeutender Sprache erzählt und ebenso behutsam wie eindrucksvoll die Charakterisierung seiner fein gezeichneten Figuren vornimmt. Winman hält die Spannung sowohl durch die interessante Story aufrecht als auch durch den mit Vor- und Rückgriffen arbeitenden Wechsel der Lebensgeschichten der Figuren und den eingeschobenen Erzählungen vor allem der alten Frau. Niveauvolle Unterhaltung. (Übers.: Marion Hertle)
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Jahr der wundersamen Begegnungen
Sarah Winman
Limes (2016)
350 S.
fest geb.