Die Nacht der Zugvögel
Nisha, eine junge Hausangestellte aus Sri Lanka, ist eine von vielen jungen Frauen, die sich durch eine Agentur nach Westzypern vermitteln lassen, um Geld zu verdienen und damit das Überleben ihrer Familien in der Heimat zu ermöglichen. Nisha hat
es gut getroffen. Sie wurde von Petra angestellt, die ihren Mann durch eine tödliche Krankheit verlor und vor Trauer gelähmt, nicht für ihre neugeborene Tochter sorgen konnte. Unauffällig wird sie zum Mittelpunkt der kleinen Familie. Yiannis ist ein junger Zypriot, dem die Bankenkrise zum Verhängnis wurde und der sich nun gezwungen sieht, durch illegalen Fang von Zugvögeln Geld zu verdienen. Er hat eine Wohnung von Petra gemietet und hat eine heimliche Liebesbeziehung zu Nisha. Als Nisha eines Tages spurlos verschwindet, unternehmen Yiannis und Petra alles, um sie zu finden, während die Polizei sich für das Verschwinden einer Einwanderin nicht interessiert. Abwechselnd erzählen Yiannis und Petra aus ihrer Sicht von der Entwicklung der Ereignisse und welchen Einfluss sie auf ihr Leben nehmen. So wird Petra, die Nisha bisher als Inventar und nicht als Person wahrnahm, erstmalig aufmerksam auf die verheerende Lebenssituation der Migrantinnen, die aufgrund der Schulden, die sie bei den Agenturen haben, ihren Arbeitgebern ausgeliefert sind. Bei vielen führt der Weg letztendlich in die Prostitution. - Ein ernsthafter, lesenswerter Roman für alle Büchereien.
Gabriele Berberich
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Nacht der Zugvögel
Christy Lefteri ; aus dem Englischen von Bettina Spangler
Limes (2023)
413 Seiten
fest geb.