Sterneneis
Das Lebensgefühl der Psychiaterin Gunnur, jenseits der 50, ist angeschlagen: ein körperlicher Zusammenbruch im Ausland, ein Einbruch in der Wohnung - und jetzt wird ihr noch die Aufsicht über eine unbekannte 14-jährige aufgenötigt. Hugrun, von
der Protagonistin "das Reh" genannt, erweist sich zunehmend als ein emotional zutiefst vernachlässigtes, einsames Mädchen, schwankend zwischen kindlicher Anhänglichkeit und zerstörerischer Aggression. In einer eingeschneiten Hütte auf dem Land, jenseits medialer Ablenkung, stellt das Mädchen viele Fragen und Gunnur taucht wider Willen auch emotional tief in die eigene Kindheit ein. Schmerzlich entdeckt sie, dass auch sie einsam und emotional vernachlässigt war, entdeckt aber auch den Unterschied zwischen den beiden "Einsamkeiten" und ihren Folgen. Nachdem "das Reh" sie fast umgebracht hat, nimmt sie die Therapie des Mädchens in Angriff. - Atmosphärisch und sprachlich sehr dicht geschrieben gelingt es der Autorin, die Lebenswelt der älteren und der jungen Generation sehr treffend zu charakterisieren und gegenüberzustellen - mit Gültigkeit nicht nur für Island. Ein sehr lesenswertes Frauenbuch! (Übers.: Ursula Giger)
Birgit Karnbach
rezensiert für den Borromäusverein.
Sterneneis
Kristin Marja Baldursdóttir
Krüger (2011)
237 S.
fest geb.