Die Zeit der Zugvögel
Katariina ist verheiratet mit Olli und hat eine kleine Tochter. Eines Tages erfährt sie von der Polizei, dass ihr Vater gestorben ist, allein in einem Hotelzimmer. Der Vater hatte die Familie verlassen, als Katariina zwei Jahre alt war, und sie hat
ihn seitdem nicht mehr gesehen. Ihre Irritation nimmt noch zu, als sie erfährt, dass sie drei Halbgeschwister hat, alle von anderen Müttern, und die beiden Schwestern heißen ebenfalls Katariina. Sie selbst ist die Älteste und fühlt sich ungewollt verantwortlich. Etwas widerwillig lädt sie die Geschwister ein und organisiert die Beerdigung. - Die Autorin hat hier eine sehr interessante Konstellation konstruiert. Die Verunsicherung der Menschen, die auf einmal durch den gemeinsamen Vater verbunden sind, ist beinahe mit den Händen greifbar. Geschickt wechselt die Autorin zwischen den einzelnen Figuren, lässt auch Olli zu Wort kommen und die vom Vater verlassenen Frauen sowie dessen Freunde, wenn auch die älteste Katariina immer die Hauptfigur des Romans bleibt und ihre Beziehung zu Olli im Mittelpunkt steht. Kluge Betrachtungen über das Leben allgemein und treffende Beschreibungen der verschiedenen Charaktere sind die Stärken dieses Romans, der überall empfohlen werden kann. (Übers.: Alexandra Stang)
Ulrike Braeckevelt
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Zeit der Zugvögel
Katja Kallio
Krüger (2011)
346 S.
fest geb.