Dichterliebe
Häufig wird der alternde Mensch, nicht selten ein Künstler zum Gegenstand eines Romans gemacht. Henry Steiger, die Hauptperson der "Dichterliebe", liebt nicht nur Gedichte, sondern entflammt für Sidonie, eine junge angehende Schriftstellerin. Trotz
vieler literarischer Auszeichnungen in der DDR hat der Schwerenöter Henry Steiger nach der Wende im wieder vereinten Deutschland noch nicht seinen Platz gefunden. Der Alkoholiker lebt in Ostfriesland in einer Art staatlich gesponserter Dichter-WG von Stipendien, leidet unter Scheidungsnöten, schlägt sich mit Behörden herum. Sidonie, von ihrem Zahnarzt-Ehemann schnöde verlassen, sucht in der Dichterkolonie einen neuen Lebensanfang und lässt sich deshalb gerne von Henry Steiger in das Dichterhandwerk, speziell in die Lyrik einführen. Seine sich entwickelnde Liebe zu ihr vermag sie allerdings nicht zu erwidern. - Die Handlung ist nicht unbedingt spannend zu nennen, die meist schon älteren Charaktere passen jedenfalls in die etwas unbürgerliche und eher lebensfremde Künstlerwelt. Besonderes Interesse vermögen natürlich jene Passagen zu wecken, in den sich die Schriftstellerin Petra Morsbach mit Gedichten, speziell ihrer Metaphorik, und mit Vertretern der DDR-Literatur beschäftigt. Für alle Leser/innen mit Interesse am Literaturbetrieb.
Bernhard Grabmeyer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Dichterliebe
Petra Morsbach
Knaus (2013)
286 S.
fest geb.