Asterios Polyp
Als an seinem 50.Geburtstag seine Wohnung durch einen Brand zerstört wird, steht der namhafte Architekt Asterios Polyp vor den Scherben seines Lebens. Zwar war er als Architektur-Professor sehr erfolgreich, doch seine Freundschaften und seine Ehe
scheiterten an seiner Selbstgefälligkeit. Gewohnt, jedes Problem zu analysieren und auf Lösungswege hin zu überprüfen, gerieten ihm die zwischenmenschlichen Ebenen aus dem Blick. Er wagt einen Neustart außerhalb des intellektuellen Umfelds. Das Leben lässt sich nicht in Formeln zergliedern - dies ist die Quintessenz dieser breit angelegten Graphic Novel. Diese Einsicht wird auch zeichnerisch zum Ausdruck gebracht: der Mann der Zahlen und Gleichungen bewegt sich in geometrischen Strukturen, spricht in rechteckigen Sprechblasen und nimmt seine Umgebung als Platonische Körper wahr. Dass ihm die Fülle des Lebens dabei abhanden kommt, wird anschaulich aus den Gegenentwürfen seiner Ehefrau oder der Familie, die ihn aufnimmt. Konsequent ist dieser Ansatz durchgeführt, jedoch zu lang und zu eintönig. Was diesem Menschen in der Mitte des Lebens zustößt, hat man schon anregender und weniger schablonenhaft gelesen.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Asterios Polyp
David Mazzucchelli
Eichborn (2011)
[o. P.] : überw. Ill. (farb.)
fest geb.