In ihren Augen
Rache und Vergeltung, Gerechtigkeit und Sühne sind die Grundmotive dieses Romans, der bereits 2010 verfilmt wurde, aber erst jetzt in deutscher Sprache erscheint. Ein Vergewaltiger und Mörder wird nach langer Suche gefasst und verurteilt, aber dann
überraschend und unverständlich als politischer Häftling begnadigt. Der Justizbeamte Benjamin Chaparro ist beruflich ganz nah an dem Fall dran, so nah, dass auch sein Privatleben beeinflusst wird. Nach seiner Pensionierung schreibt er darüber ein Buch, und erst jetzt werden alle Hintergründe deutlich bis hin zu dem völlig unerwarteten Ende. - Der Autor setzt seine Geschichte um, indem er zwischen dem Schreiben des Romans und dem darin beschriebenen Geschehen hin und her springt, ohne dass dies vom Leser als Bruch erlebt wird. Neben dem Verbrechen und der Frage nach der Vergeltung bilden zwei Liebesgeschichten den Rahmen: das junge Opfer war gerade erst verheiratet und der Mord beendet diese große Liebe, und der Protagonist fühlt sich seit 30 Jahren in tiefster Liebe zu einer Kollegin hingezogen, der er sich aber nicht offenbart, weil sie verheiratet ist. Diese unerfüllten Lieben werden sehr zurückhaltend, aber vielfach äußerst poetisch geschildert. Empfehlenswerte, fesselnde Lektüre. (Übers.: Matthias Strobel)
Ulrike Braeckevelt
rezensiert für den Borromäusverein.
In ihren Augen
Eduardo Sacheri
Bloomsbury (2012)
331 S.
fest geb.