Die Hebamme von Venedig

Gegen die Anweisung des Rabbis und eine Verordnung der Kirche hilft die jüdische Hebamme Hannah unter Zuhilfenahme eines mechanischen Instruments (Geburtslöffel) bei der äußerst schweren Geburt eines adeligen Christenbabys, um das Lösegeld für Die Hebamme von Venedig ihren Mann Isaak aufzubringen, der von räuberischen Ordensrittern auf Malta festgehalten wird. Neben der Sorge um Isaak, der die Nebenhandlung bestreitet, muss Hannah als Jüdin Denunziation und wegen des Geburtslöffels Hexenverfolgung fürchten, der Pest entgehen, den Nachstellungen der erbgierigen Brüder des adeligen Beschützers entkommen, sich mit der konvertierten und als Hure tätigen Schwester auseinandersetzen, das mittlerweile verwaiste Baby durchbringen und die Reise nach Malta organisieren. Letztlich hilft ihr eine Osmanin, in deren Heimat das wiedervereinte Paar seine Zukunft findet. - Der Roman ist angenehm zu lesen und fängt atmosphärisch dicht das Leben im 16. Jh. ein. Immer wieder werden unterstützende historische Hintergründe eingearbeitet, gerne bezogen auf Sitten und Gebräuche der Juden. Die Christen erscheinen insgesamt in keinem guten Licht. Die sympathische Hebamme lädt als starke Persönlichkeit zu Identifikation und Anteilnahme ein; die mehrfachen drastischen Schilderungen ihrer beruflichen Tätigkeit nötigen Hochachtung vor dem dramatischen Geburtsgeschehen ab, besonders in voraufklärerischen Zeiten. Freundinnen von Frauenliteratur in historischem Gewand gerne empfohlen. (Übers.: Werner Löcher-Lawrence)

Birgit Karnbach

Birgit Karnbach

rezensiert für den Borromäusverein.

Die Hebamme von Venedig

Die Hebamme von Venedig

Roberta Rich
Bloomsbury (2011)

317 S.
fest geb.

MedienNr.: 349020
ISBN 978-3-8270-1002-5
9783827010025
ca. 19,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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