Kleiner Vogel, klopfendes Herz
Die 19-jährige Irma Voth ist Mennonitin und lebt auf der Farm ihrer Eltern in einer mexikanische Kolonie. Da sie heimlich einen Mexikaner geheiratet hat, verbannt der fanatische und engstirnige Vater sie in ein Nebengebäude, Mutter und Geschwister
darf sie nicht sehen, der Ehemann setzt sich bald ab. Als sich ein Film-Team einmietet und Irma als Übersetzerin für die deutsche Hauptdarstellerin einstellt, bemüht sich Irma verstärkt, der tatsächlichen und ideologischen Gefangenschaft zu entkommen. Da niemand das mennonitische Plattdeutsch in dem späteren Film verstehen wird, gibt sie in einer Art stillen Revolution - d.h. selbstoffenbarend, aber ohne Konsequenz - der Aktrice nicht die Drehbuch-Worte, sondern eigene Gedanken wieder. Neben dem gut ausgeleuchteten Hintergrund der mennonitischen Lebensweise und der Situation Irmas als abtrünniger und abhängiger, starker und verletzter Frau geht es auch um ein Familiengeheimnis: Warum zog die Familie nach dem ungeklärten Unfalltod der älteren Schwester Hals über Kopf von Kanada nach Mexiko? Warum ist der Vater seitdem so verändert? Latenter Psychoterror, berührende Szenen, Schuld und Verstörung, verhaltener Humor, langsamer und intensiver Erzählton der Ich-Erzählerin - ein mit Gewinn zu lesendes, vorrangig Frauen empfohlenes Buch! (Übers.: Christiane Buchner)
Birgit Karnbach
rezensiert für den Borromäusverein.
Kleiner Vogel, klopfendes Herz
Miriam Toews
Berlin-Verl. (2011)
284 S.
fest geb.