Der Schmetterlingsbaum
Die in Ontario lebende Schriftstellerin gehört zu den bekanntesten Autorinnen Kanadas. In ihrem jüngsten Roman erzählt sie in einer sehr poetischen Sprache von den wechselvollen Schicksalen der Butlers, einer im 18. Jh. aus Irland nach Kanada eingewanderten,
reich verzweigten Familie. Obwohl in manchmal etwas ausufernden, in der Regel auf späteres Unheil hindeutenden Rückblenden immer wieder symbolträchtige Episoden aus dem Leben längst Verstorbener erzählt werden, steht dennoch vor allem das Schicksal der letzten Nachfahrin der Butlers, einer Insektenforscherin namens Liz, die als Ich-Erzählerin fungiert, im Mittelpunkt. Diese befindet sich, als sie diese Geschichte erzählt, auf der einst blühenden, nunmehr verfallenen Obstplantage der Butlers, auf der sie zusammen mit ihren engsten Verwandten ihre Kindheit und Jugend verbracht hat. In den Sommermonaten wurden regelmäßig mexikanische Arbeitskräfte eingesetzt. Wie Vieh oder landwirtschaftliches Gerät hatte man sie im Frachtraum der Flugzeuge transportiert und sie wohnten, von den Butlers kaum beachtet, am Rande der Farm in einer Barackenanlage. Die Liebe überwindet freilich die gesellschaftlichen Schranken, was letztlich zu den verhängnisvollen Ereignissen beiträgt, auf die der Roman den Leser in (allzu) vielen Vorausdeutungen vorbereitet und die in der Zerstörung der familiären Idylle enden. - In schwermütigen Erinnerungen lässt die Erzählerin vor dem Leser ein facettenreiches, ausgesprochen bildhaftes Panorama ihrer Kindheit und Jugend erstehen. Unerfüllte Liebe, Liebesverrat und Tod sind die Ingredienzien dieser für heutige Gepflogenheiten sehr dezenten, fast schamhaft zurückhaltend erzählten Familiensaga. (Übers.: Barbara Schaden)
Der Schmetterlingsbaum
Jane Urquhart
Bloomsbury (2012)
239 S.
fest geb.