Lucy im Himmel
Salim, ein Moslem, und Nadja, eine arabische Christin, wollen nach langer kinderloser Ehe ein Kind adoptieren. Nach langem Warten geht ihr Wunsch in Erfüllung, allerdings handelt es sich bei dem Adoptivkind Natanel nicht um ein schnuckeliges Baby,
sondern um einen höchst sonderbaren, wohl autistischen 13-jährigen Jungen, der sich lange Zeit völlig abkapselt, sich z.B. überwiegend im Feigenbaum der Familie aufhält. Dennoch schließen sie ihn ins Herz, und als sie endlich auch sein Vertrauen gewonnen haben, stellen sich neue, noch ernstere Probleme ein. Während die leibliche Mutter eine völlig säkulare Erziehung fordert, dringen ultraorthodoxe Juden auf eine streng religiöse Erziehung. Beide Seiten lassen durch Mittelsmänner die Adoptiveltern und das Kind beobachten und kontrollieren, was für Salim und Nadja natürlich zu einem fast unlösbaren Dilemma wird und zwangsläufig entsprechend dem heiteren Grundton des unterhaltsam geschriebenen Romans zu vielen skurrilen Situationen führt. Schließlich wird Natanel sogar in eine Talmudschule entführt, aus der ihn die verzweifelten Adoptiveltern in einer abenteuerlichen Aktion befreien. Schauplatz des Geschehens ist ein Dorf im arabischen Israel. Die ungelösten Probleme des weltanschaulich, religiös und politisch zerrissenen Landes sind der ernste Hintergrund dieses zutiefst menschlichen, um Gerechtigkeit bemühten und überdies von lakonischem Witz getragenen Romans. Sehr empfohlen! (Übers.: Anne Birkenhauer)
Lucy im Himmel
Daniella Carmi
Berlin-Verl. (2013)
142 S.
fest geb.