Am Ende schmeißen wir mit Gold
Der für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierte Debütroman des jungen Autors (genau wie sein Held Max Flieger 1983 in Donaueschingen geboren) beginnt verheißungsvoll: Amüsiert lauschen wir dem lustlosen Telefongespräch des (nebenbei onanierenden)
Helden mit seinem Vater, der Max bittet, während des Urlaubs Haus und Hund der Eltern zu hüten. Da das elterliche Anwesen zufällig in Nachbarschaft des Hofes ist, in dem seine Jugendfreundin Maria und sein einstiger Rivale Jan ihr verspätetes Hippie-Leben führen, ist das natürlich eine gute Gelegenheit, die Vergangenheit wieder heraufzubeschwören. Als die Eltern dann auf Kreta ums Leben kommen, muss Max sich um die Überführung der Eltern kümmern. Dabei stößt er auf eine alte Bekannte der Mutter, die ihm die Augen öffnet über deren erstaunlich libertäre Vergangenheit. Neuerliche Spannungen zwischen den Freunden, insbesondere das Lavieren des Helden zwischen seinen homoerotischen Neigungen und einer halbherzig empfundenen Liebe zu Maria ("Manchmal schlafen wir zu dritt in einem Bett") kommen auf. Am Ende dieses verspäteten Adoleszenzromans - der Held ist mittlerweile etwa 30 Jahre alt - rundet sich das Ganze in fast kitschiger Weise. - Der Plot dieses Romans eines (sexuellen) Selbstfindungsversuchs wirkt - vielleicht gewollt - inhomogen und konstruiert. Mancher Leser dürfte das Buch also zuklappen, ohne zu innerer Anteilnahme mit diesem spätpubertierenden, unreifen jungen Mann gefunden zu haben. Allerdings scheint der Roman das Lebensgefühl der jungen Generation zu treffen. Wie sonst wäre sein deutlicher Erfolg bei einem Online-Voting zu erklären? Die unspektakuläre, lockere und oft durchaus witzige Alltagsdiktion ist eine der Stärken des Romans, passt sie doch genau zur unverbindlichen Lebensauffassung der geschilderten Pop-Generation bzw. zu dem gängigen Klischee, das über diese kursiert.
Am Ende schmeißen wir mit Gold
Fabian Hischmann
Berlin-Verl. (2014)
254 S.
fest geb.