Gestrandet
Die beiden Oxforder Migrationsforscher sehen die gegenwärtige Flüchtlingspolitik als gescheitert an. Ihre Kritik richtet sich gegen die nicht zur Kenntnis genommenen vielfältigen Fluchtursachen und die nicht mehr passende Fluchtdefinition, gegen
die antiquierte Genfer Konvention und die Rolle des Flüchtlingshilfswerks UNHCR und die wenigen Alternativen für die Flüchtlinge, nämlich jahrelanges Lagerleben, Armut in den Städten oder eine lebensgefährliche Reise. Sie bemängeln die Dublin-Verordnung, das Fehlen eines gemeinsamen Asylstandards in Europa und beschreiben das Verhalten in der syrischen Flüchtlingskrise mit den Begriffen "herzloser Kopf" und "kopfloses Herz", wobei vor allem die Bundeskanzlerin als Akteurin gezeichnet wird. Nach all den wenig positiven Sichtweisen fordern die Autoren ein Umdenken bei den ethischen Überlegungen, bei den Zufluchtsorten und den Hilfsmaßnahmen, beim Wiederaufbau eines Landes nach einem Konflikt und bei den Institutionen. Das Buch enthält viele Beispiele aus den Zufluchtsländern, bereits eingeleitete Reformprozesse und eine Vielzahl kreativer Innovationen und möglicher Alternativen, die aber gegenwärtig häufig noch mit "sollte" verbunden werden müssen. Es ist eine sachgerechte, weit gespannte Analyse, die beiden Seiten - dem Flüchtling und dem Aufnahmeland - gerecht werden möchte. Angesichts der Bedeutung des Themas breit zu empfehlen.
Helmut Eggl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Gestrandet
Alexander Betts und Paul Collier
Siedler (2017)
333 S.
fest geb.