Was wir der Zukunft schulden
Wir sind nur Treuhänder gegenüber zukünftigen Generationen. William MacAskill (Jg. 1987), schottischer Philosoph und Ethiker, außerordentlicher Professor an der Universität Oxford, setzt sich kompromisslos für die zukünftige Menschheit ein.
Dabei geht es ihm nicht um konkrete Handlungsanweisungen, sondern um Anstöße für die Forschung und weitergehende Überlegungen. Sein New York Times-Bestseller bleibt nicht bei der momentane Klimadiskussion stehen. Er erweitert den wissenschaftlichen Rahmen um Fragen der Populationsethik, d.h. wie sieht das zukünftige Bevölkerungswachstum aus, welcher Lebensstandard macht das Leben lebenswert und mit welchen wirtschaftlichen Implikationen müssen wir rechnen. Grafiken veranschaulichen die statistischen Zahlenbeispiele. Vor 200 Jahren betrug die Lebenserwartung des Menschen weniger als 30 Jahre. Damals lebten 80% der Menschen in extremer Armut, heute sind es noch 10 %. Die Weltwirtschaft wuchs in diesen 200 Jahren mehr als 2% pro Jahr. Dieses beispiellose Wachstum kann so nicht weitergehen. Brauchen wir eine Zivilisationspause? Nach eigenen Angaben hat der Autor zehn Jahre an diesem Buch gearbeitet. Zahlreiche Beispiele aus Geschichte, Literatur, Technik und Wirtschaft zeugen von sorgfältiger Recherche und Sachkunde. Ein überaus interessantes Buch, das die Freude am gedanklichen Experiment weckt und eine wohltuende Erweiterung unseres momentanen Blickwinkels ist. Absolut empfehlenswert, besonders für Leser, die über die aktuelle Tagespolitik hinausdenken möchten.
Renate Feldmeyer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Was wir der Zukunft schulden
William MacAskill ; aus dem Englischen von Jürgen Neubauer
Siedler (2023)
444 Seiten
fest geb.