Ein Ende und ein Anfang
Historische Sachbücher, in denen Ereignisse besonderer Jahre und Orte chronologisch rekonstruiert und anhand biografischer Erinnerungen lebendig erzählt werden, haben derzeit Konjunktur (vgl. z.B. zuletzt Uwe Wittstock, Marseille 1940, BP/mp 24/491).
Der Historiker, Schriftsteller und Kulturmanager Oliver Hilmes, der schon mehrere Bücher zu Persönlichkeiten und zeitgeschichtlichen Ereignissen besonders aus der Mitte des 20. Jh. verfasst hat (zul. "Schattenzeit", BP/mp 23/795), blickt hier facettenreich auf den Sommer 1945, genauer auf die Monate zwischen der deutschen Kapitulation Anfang Mai und der japanischen Kapitulation Mitte August 1945, die den Zweiten Weltkrieg auch in Ostasien beendete. Neben den großen weltpolitischen Ereignissen wie etwa der Potsdamer Konferenz der Siegermächte, die den Beginn einer Teilung Europas in die Einflusszonen der Sowjetunion und der USA markierte, und den beiden Atombombenabwürfen in Japan kommen die Nöte und Alltagssorgen unbekannter Menschen zu Wort, die ihrem Leben einen neuen Anfang geben mussten. Berichte aus dem zerstörten Deutschland, die Suche nach untergetauchten Größen des NS-Staates und die Haltungen und die Auffassungen von ins Exil gegangener oder im Lande gebliebener Schriftsteller und anderer Kunstschaffender finden in dem mit einigen historischen Fotos ausgestatteten Werk ebenfalls eine breite Berücksichtigung. – Natürlich liegt kein wissenschaftlich fundiertes Geschichtswerk vor, aber die anschaulichen Schilderungen bieten 80 Jahre nach Kriegsende heutigen Interessierten einen guten Einblick in die Stimmungslage während des damaligen epochalen Einschnitts der Geschichte. Breit empfohlen.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Ein Ende und ein Anfang
Oliver Hilmes
Siedler (2025)
287 Seiten : Illustrationen
fest geb.