Die Spiele
Thomas Gärtner, Journalist mit falschem Visum und ohne Akkreditierung, reist nach Shanghai, um dort von seinem mosambikanischen "Freund" Charles Murandi brisantes Material zu erhalten. Dieser ist nach schwerer Kindheit, Jahren als "madgermane" in
der DDR, später als Mitglied in der Befreiungsbewegung FRELIMO zum IOC-Funktionär aufgestiegen. Er glaubt, die Fäden für eine Entscheidung zugunsten Afrikas mit der Unterstützung Chinas für die Olympischen Spiele 2032 in der Hand zu halten. Doch dann wird er ermordet, Gärtner gerät unter Verdacht und wird inhaftiert. Für Lena Hochfellner, Konsularbeamtin, sind sowohl Murandi als auch Gärtner keine Unbekannten. Sie weiß mehr als der ermittelnde Kommissar und der chinesische Sicherheitsdienst. Ist Murandi ein politisches Bauernopfer oder ist der Mord privat motiviert? – Ein sehr gut konstruierter und spannender Kriminalroman, der sich über fünf Tage im Jahre 2021, jedoch nicht in chronologischer Abfolge, erstreckt. Relevante Fakten der Vergangenheit aus Mosambik (1998/2008) bzw. Berlin (2011) werden im Epilog und eigenen Kapiteln offenbart. Neben der persönlichen Geschichte und Tragik der Hauptpersonen vermittelt Schmidt eine Fülle an Hintergrundinformationen zum IOC, zu politischen Machtspielchen und Korruption sowie den Eigenheiten des chinesischen Polizei- und Überwachungssystems. Aber auch Humor und Ironie kommen nicht zu kurz, Realität und Fiktion werden sehr gut miteinander verwoben.
Margit Düing Bommes
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Spiele
Stephan Schmidt
DuMont (2024)
414 Seiten
fest geb.