Die Lichter von Bullet Park

Der jetzt zum zweiten Mal ins Deutsche übersetzte Roman des hierzulande weniger bekannten, in den USA vielfach ausgezeichneten amerikanischen Autors löste bei seinem Erscheinen in New York 1969 nicht nur positive Kommentare aus. Der Roman zerfällt Die Lichter von Bullet Park in zwei sehr unterschiedliche Teile. Beide spielen in Bullet Park, einem trüben Vorort von New York. Im ersten Teil wird das Alltagsleben der amerikanischen Durchschnittsfamilie Nailles auf sehr amüsante Weise geschildert. Ein Feuerwerk bösartig funkelnder Miniaturen bürgerlicher Spießigkeit und scheinbarer Wohlanständigkeit wird abgebrannt. Wären die Situationen und Typen nicht so grotesk überzeichnet, könnte man den ersten Teil dieses Romans einen kritischen Gesellschaftsroman der 60er Jahre nennen. Im zweiten Teil des Romans, der auf skurrile Weise (z.B. durch die Namengebung der Protagonisten) mit dem ersten verknüpft ist, erzählt Paul Hammer (wohl z.T. ein Alter Ego des Autors) nun aus der Ich-Perspektive von seiner unehelichen Herkunft, seinen wüsten alkoholischen Exzessen, seinen sich bis zum Wahnsinn steigernden Depressionen. Dieser Teil ist nun derart exzentrisch, dass sich der Leser kaum mehr wundert, wenn Paul Hammer am Ende in psychopathischer Raserei den Sohn der Familie Nailles auf dem Altar der Christ Church töten und opfern will! Ein Fanal? Der Einbruch des Absurden in die scheinbar geordnete heile Alltagswelt? Manchmal hat man das Gefühl, dass der Autor sich nicht entscheiden konnte, ob er ein komisches oder todernstes, ein persönliches oder allgemeingültig-gesellschaftskritisches Buch schreiben wollte. Irritierend und anregend ist der Roman des 1982 gestorbenen Autors allemal! (Übers.: Thomas Gunkel)

Die Lichter von Bullet Park

Die Lichter von Bullet Park

John Cheever
DuMont (2011)

254 S.
fest geb.

MedienNr.: 567989
ISBN 978-3-8321-8068-3
9783832180683
ca. 19,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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