Das Buch über das Älterwerden
Fast jeder kennt die schwierige Situation, wenn die Eltern alt werden, eingeschränkt in ihrer körperlichen Bewegung und geistigen Kapazitäten, vielleicht sogar an Demenz erkrankt. Die Autorin ist Geriaterin und hat über Jahrzehnte mit alten Menschen
gearbeitet. Anhand von Fallbeispielen erklärt sie typische Probleme, wie z. B. jemanden zu überzeugen, nicht mehr Auto zu fahren oder sich zu zukünftigen möglichen medizinischen Behandlungen zu positionieren. Mit sehr viel Feingefühl und Erfahrung zeigt Pollock, welche Möglichkeiten es gibt, das Alter angenehm und so gut wie möglich zu gestalten. Ein Thema ist dabei die Polypharmazie, d. h. die vielen Medikamente, die alten Leuten in guter Absicht, aber nicht immer zu ihrem Vorteil verschrieben werden. Sie plädiert dafür, mehr Zeit darauf zu verwenden, die alten Menschen mit ihrer Lebensgeschichte und in ihrer Gesamtheit zu verstehen. Dazu gehören auch die spirituellen Bedürfnisse des alten Menschen, die der Kinder- und Enkelgeneration oft völlig fremd geworden sind. Die dargestellten Erfahrungen stammen zwar aus dem englischen Gesundheitswesen, aber viele Fußnoten erläutern die Situation und Rechtslage in Deutschland. Auf jeden Fall ist das Buch ein Plädoyer für mehr Mitgefühl und Humor und auch ohne akuten Anlass lesenswert!
Ruth Titz-Weider
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Buch über das Älterwerden
Lucy Pollock ; aus dem Englischen von Ulrike Becker
DuMont (2021)
345 Seiten
fest geb.