Aufrappeln
Mit einer Ratte im Klo, die sie als drohendes Unheil deutet, beginnt Judith Poznan ihre Erzählung. Die Ratten, die versuchen, in die gemeinsame Wohnung mit ihrem Lebenspartner Bruno einzudringen, deutet sie auch als Bedrohung für die Partnerschaft,
was sich dann tatsächlich bewahrheitet. Unaufgeregt, aber erschüttert schildert sie in einem ersten Teil des Buches die stille Verzweiflung über die Trennung – der Partner zieht erst einmal aus –, die Notwendigkeit, eine neue Wohnung zu finden und insgesamt nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren und sinnbildlich „Herr über die Rattenplage“ zu werden. Das gemeinsame Kind bedeutet aber auch, dass sie in gewisser Weise immer noch eine Familie sind und auch bleiben wollen. Wie das gelingen kann, wie sich Vorstellungen von Liebe und Partnerschaft im Laufe der Jahre geändert haben und wie die Zukunft ohne Partner mit gemeinsamem Kind gestaltet werden kann, davon erzählt ein zweiter Teil des Buches, der in gewisser Weise den Aufbruch in ein neues, anderes Leben ohne den Vater des Kindes bedeutet. Poznan erzählt immer sehr einfühlsam, oft auch witzig, vom fragilen Zustand von Liebe, Glück und Familie und wie es auch bei Trennung zu gewissen Teilen erhalten werden kann. Das Finden eines neuen Lebensplans für sich selbst als Frau, aber auch Mutter, liest sich leicht und locker, und doch kann man die Phasen der Trauer und des Zweifelns an sich selbst gut nachempfinden. Sehr empfehlenswert.
Annemarie Schreibert
rezensiert für den Borromäusverein.
Aufrappeln
Judith Poznan
DuMont (2023)
156 Seiten
fest geb.