Das Haus am Meeresufer
Die auf dem irischen Landsitz und im Londoner Stadthaus der Familie aufgewachsene Eileen Gray ist 1900, nach Besuch der Weltausstellung, begeistert von Paris. Ihr Londoner Malerei-Studium bricht sie ab und erlernt japanische Lackkunst. Ihre Designermöbel
verkauft sie bald in ihrer Galerie in Paris. Nach einigen lesbischen Beziehungen lernt sie 1921 ihre große Liebe, den Architekten Jean Badovici, kennen. Er ermutigt sie, ein Haus zu bauen, das sie an einer malerischen Bucht in Südfrankreich er- und einrichtet: E1027. Doch als sie dort wohnen, erkennt Eileen, dass Jean seinem Freund, dem bekannten Bauhaus-Architekten Le Corbusier, hörig ist. Le Corbusier ist begeistert von E1027 und preist das Haus als seine eigene Schöpfung an, woraufhin Gray das Haus und Jean verlässt. Das Leben, Denken und Fühlen Grays stellt Nicolas sukzessive und lebensnah in der Ich-Perspektive dar. Vor dem Hintergrund der - von der Autorin gut recherchierten - Pariser Künstlerszene entwirft die Autorin das Porträt einer selbstbewussten Frau. Die vielen, leider nicht übersetzten französischen Wörter spiegeln die damalige Pariser Atmosphäre ebenso wider wie die z. T. kurzen klaren Sätze den Bauhaus-Stils.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Haus am Meeresufer
Joséphine Nicolas
DuMont (2023)
397 Seiten
fest geb.