Das Leben nach dem Happy End

Die Ermordung ihres Lebensgefährten bedeutet einen Bruch im Leben der Ich-Erzählerin, einer labilen alkoholgefährdeten Schriftstellerin mittleren Alters, die ihren Mann und ihre 14-jährige Tochter 10 Jahre zuvor des nunmehrigen Opfers wegen verlassen Das Leben nach dem Happy End hatte. Worin jedoch das "Happy End" bestehen soll, bleibt angesichts der Tatsache, dass durch den Mord eine scheinbar funktionierende Liebesbeziehung auseinandergerissen wird und zeitgleich der Großvater der Ich-Erzählerin stirbt, zumindest unklar. Freilich bedeutet der Tod des Geliebten auch, dass die Zeit der Trennung von ihrer Tochter, die sie "jeden Tag" vermisste, nun vorüber sein könnte. Der Tod des Geliebten stürzt die Protagonistin jedenfalls in eine tiefe Gefühlsverwirrung. Im Zuge der Ermittlungen kommen Dinge an den Tag, die ihre Beziehung und den Geliebten selbst in völlig neuem, schillerndem Licht erscheinen lassen. Nur vordergründig handelt es sich bei alledem um eine Krimihandlung. Weder wird letztlich klar, wer der Täter ist, noch aus welchen Motiven er gehandelt hat. Auch die Ich-Erzählerin selbst scheint sich kaum mit dieser Frage zu beschäftigen. Der Reiz des Romans liegt im Variationsreichtum der sprachlichen Gestaltung und in der sensiblen Behandlung des Geschehens. Die Widersprüchlichkeit ihres eigenen Empfindens wird in eindrucksvollen inneren Monologen der Ich-Erzählerin deutlich. Auch grotesk-komische Situationen werden immer wieder heraufbeschworen; wo und inwiefern der im Kern melancholisch-resignative Roman der dänischen Autorin jedoch "wahnsinnig komisch" sein könnte (Umschlagtext), erschließt sich dem Rezensenten nicht so recht. - Spannende Lektüre für ambitionierte Leser. (Übers.: Ursel Allenstein)

Das Leben nach dem Happy End

Das Leben nach dem Happy End

Pia Juul
DuMont (2011)

189 S.
fest geb.

MedienNr.: 567985
ISBN 978-3-8321-9590-8
9783832195908
ca. 18,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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