Die letzten schönen Tage
Im Zentrum dieses raffiniert gebauten Romans steht die hübsche, liebenswerte Kati, die sich zwischen zwei sehr unterschiedlichen Männern entscheiden muss. (Auf elegante Weise verflochten mit diesem Haupterzählstrang sind zwei weitere Beziehungsdramen.)
Zwischen Serge, einem psychisch labilen, zunehmend eifersüchtigen Werbetexter und dessen Arbeitskollegen, dem smarten Frauenhelden David, mit dem sie eine Affäre hat. Serge tut, wie Kati anfangs glaubt, ihrer Seele, David ihrem Körper gut. Letztlich entscheidet sie sich für Serge, mit dem sie sich über die Wintermonate in Malta eine Auszeit nimmt. Sie kann sich jedoch von David nicht völlig lösen. Eine gegenläufige Entwicklung tritt ein. Während Serge sich immer mehr in eine kontrollwütige Paranoia hineinsteigert und zu einer echten Gefahr für Kati wird, zeigt David zunehmend Verantwortungsbewusstsein. Als besonders wirkungsvoller Kunstgriff erweist sich das tagebuchartige Erzählverfahren. Der Leser bleibt durch die fiktiven Aufzeichnungen der drei Hauptakteure unmittelbar in deren Gefühle und ihre Gedankenwelt involviert. Da diese die Ereignisse dieses Winters jeweils aus ihrer Sicht schildern, ergibt sich ein permanenter fesselnder, auch sprachlich interessanter Perspektivenwechsel. Ein raffinierter Plot! Obwohl oder gerade weil sich der Autor den hochdramatischen Ausgang, den der Titel suggeriert und auf den das Geschehen mit einer gewissen Zwangsläufigkeit zuzulaufen scheint, verkneift. Der einzige Tote, der vorderhand zu beklagen ist, ist ein Kater, der sich aus Gram über die Abwesenheit seines Frauchens heroisch zu Tode hungert. Aber noch ist nicht aller Tage Abend und das Geschehen ist dramatisch genug und die sprachliche Meisterschaft des Autors so stupend, dass der Leser bis hin zum überraschenden Ende immer stärker gefesselt wird. Sehr zu empfehlen!
Die letzten schönen Tage
Helmut Krausser
DuMont (2011)
222 S.
fest geb.