Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters
Tilman Rammstedt, zugleich Autor und Held dieses phantastischen Nonsensromans, schreibt unermüdlich - natürlich fiktive - E-Mails an Bruce Willis, die dieser allerdings ebenso hartnäckig unbeantwortet lässt, zumal er sie ja nie erhält. Der Romanschreiber
will den berühmten Schauspieler dazu bringen, in seinem eben im Entstehen begriffenen Roman mitzuwirken, da es sein Markenzeichen sei, selbst in den allerausweglosesten Situationen einen coolen Ausweg finden zu können. Der Autor lässt den Leser unmittelbar an der Verfertigung seines Romans teilnehmen. Nicht an der Illusion eines spannenden Geschehens soll sich der Leser ergötzen, sondern an der ironischen Durchbrechung der Illusion, am Spiel mit Rollenklischees und am Prozess der Fiktionalisierung selbst. Der vom Autor permanent, aber vergeblich zur Mitwirkung aufgeforderte Hollywoodstar entfaltet freilich - kurioserweise gegen den Willen des Autors - ein Eigenleben, das so gar nicht seinem Filmcharakter entspricht: Er erweist sich in den Augen des Autors als träge, unentschlossen und völlig unheldisch und verhilft dem Roman keineswegs zu einem "glücklichen Ende", all das natürlich zum fingierten Ärger und zur großen Enttäuschung des Autors Rammstedt. Und so kann der im Titel apostrophierte, zu jeder kriminellen Aktion (also auch zur Bankberatung!) völlig ungeeignete, zu pseudophilosophischen Ergüssen neigende Bankberater, den der Autor bei dem Versuch seine eigene Bank zu überfallen, kläglich scheitern lässt, nicht aus seiner misslichen Lage im Gefängnis befreit werden. Soweit der äußerst skurrile und in seinen phantastischen Wendungen umwerfend komische Plot, der dem amüsierten Leser erzählt, "wie alles nicht gewesen ist" (S. 147). Ein intelligenter literarischer Spaß mit Tiefgang!
Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters
Tilman Rammstedt
DuMont (2012)
155 S.
fest geb.