Für den Herrscher aus Übersee
Zwei Geschwisterkinder verbringen ihre langen Sommerferien bei einem wunderlich-spinnerten Großvater und seiner Frau in ländlicher Idylle. Zum äußeren Ritual gehören die täglichen Ansichtskarten, die ihre Eltern schicken, mit Bildern aus aller
Welt, die sich zu einem gewaltigen Kreis-Panorama runden sollen, bis sie wieder heimkehren. Aber die Geschichte, aus für Wunder offenen Kinderaugen nachempfunden, gleicht keinem bündigen Kreis; sie spielt sich auf mehreren Ebenen ab, die man nur mühsam verknüpfen kann, auch wenn sie aus einer kindlichen Perspektive Sinn ergeben. Da ist einmal das Leitmotiv vom Fliegen. "Die Fliegerin" (Ich-Erzählerin, evtl. autobiografisch verbrämt) steuert mit ihrem Bruder märchenhafte Flugapparate, zugleich ganz wirklichkeitsnah zu den Volieren und über den Hühnerhof, wozu sie der narrische, garn-spinnende Opa animiert. Er fabuliert ihnen seine wahre (?) Geschichte von der großen exotischen Liebe zu einer japanischen Fliegerin vor, was mit einer "Bruchlandung" endet (parallel dazu die SOS-Zeichnung am Ende der realen Erzählung). Seine "Fabel" zieht sich wie ein roter Faden durch, ist kunstvoll verwebt, trägt aber auch zu einiger Verwirrung bei im Gleitflug durch alle realen und imaginären Ebenen. - Ein merkwürdig verwunschenes, verwobenes Märchenbuch, das uns die junge österreichische Autorin (zunächst als Zeichnerin bekannt - vgl. den selbst entworfenen Umschlag!) hiermit vorlegt - ihr Romandebüt. Vielleicht hat die junge Autorin zu viel des Guten versucht; kurzum in seiner verästelnden Bildhaftigkeit ist das Buch keine ganz einfache Lektüre. Gewiss reizvoll zu verfilmen!
Harald Grimm
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Für den Herrscher aus Übersee
Teresa Präauer
Wallstein (2012)
137 S.
fest geb.