Wundertiere
Märchen, Legenden, biblische und mythologische Geschichten sind die Stoffe, aus denen Heinrich Detering seine Gedichte macht. Und das nicht ohne die Weltsprache der Poesie mit der technischen Moderne, wo nicht in Einklang, so doch in ruhige, unaufgeregte
Resonanzen zu bringen. Wenn der "Cyborg in Ruhe" ist, so das gleichnamige Gedicht, bekommt der Dichter Besuch von "wilden Tieren" und "Wundertieren" wie der Sprechmaschine des Erasmus Darwin, der mit "Blasebalg Klappen und Röhren / das Wunder der Sprache nachbauen" wollte; diesen Faden nahm dann sein berühmter Enkel Charles später evolutionsbiologisch wieder auf. Solche munteren Mutproben in der Kulturgeschichte sind die weltläufige Seite von Deterings Gedichten. Eine Audienz auf dem Petersplatz dient der Reflexion der Musikvorlieben des Papstes, eine Betrachtung von Breughels "Ikarus" dem Wissen des Malers um Leid, Stolz und Ruhm. Mit kleinen Effekten und sparsamen Worten erzielen die Gedichte große Wirkungen, eine polyphone Poesie, nachdenklich und leichtfüßig zugleich. Empfehlenswerte Lektüre.
Michael Braun
rezensiert für den Borromäusverein.
Wundertiere
Heinrich Detering
Wallstein (2015)
93 S.
fest geb.