Gegen Wahlen
"Wahlen sind heutzutage primitiv. Eine Demokratie, die sich darauf reduziert, ist dem Tode geweiht." Diese provokante These des belgischen Historikers gewinnt an Plausibilität, je mehr man sich in seine fundierte, dennoch gut verständliche Abhandlung
vertieft. Dass der Parteienstaat und mit ihm das elektoral-repräsentative System in schwere Legitimationskrisen geraten sind, ist offenkundig und wird z.B. durch die ständig abnehmende Wahlbeteiligung in allen demokratischen Staaten belegt. Die Kluft und das Misstrauen zwischen Regierenden und Regierten werden immer größer. Zu Recht betont der Autor die aristokratischen Wurzeln unserer demokratischen Systeme, die von Anfang an das "gemeine Volk" von den politischen Institutionen fernhielten. Nur ein System, das sich auf Partizipation aller Bürger stützt, hergestellt durch zeitgemäße Formen des Losverfahrens, könnte die Legitimität politischer Entscheidungsfindung gewährleisten und wäre bei entsprechender Ausgestaltung auch effizient. Zur Untermauerung seiner Thesen kann der Autor auf zahlreiche historische Vorbilder (Athen, Venedig, Florenz ...) aber auch auf verschiedene moderne Beispiele (Holland, Kanada, Irland ...) verweisen. Eine empfehlenswerte Lektüre: provozierend, innovativ und zum Nachdenken anregend! Ab mittleren Beständen möglich.
Gegen Wahlen
David Van Reybrouck
Wallstein (2016)
198 S.
kt.