Überführungsstücke
Oskar Brunngraber berichtet in einem ausführlichen Monolog von seiner Tätigkeit in einer Asservatenkammer eines bayrischen Oberlandesgerichts. Über die Beschreibung seiner Aufgaben kommt er zu der hinter einzelnen Beweisstücken stehenden Geschichte,
berichtet von seiner Jugend, den Verstrickungen seiner Familiengeschichte und den verschiedenen Seiten seiner Persönlichkeit , die ihn neben der trockenen Beamtentätigkeit als vielseitigen malenden und auf Kleinkunstbühnen auftretenden Künstler zeigt. Nach Feierabend nimmt Brunngraber so auch die Leser quasi mit nach Hause, vertieft die Berichte über sein Privatleben und schließt den Monolog zum Ende hin mit der Feststellung, dass er nicht "verunglückt" sei, sondern das "verglücken" eine treffende Bezeichnung seines Lebenslaufes wäre. Das schmale Buch, mit einem interessanten, mit verschiedenen Asservaten gestalteten Cover, macht deutlich, dass auch ein auf den ersten Blick langweiliges Leben sehr bunt und vielfältig sein kann; mindestens so bunt und vielfältig, wie die Sprache dieses Textes. Inhalt und Stil heben sich deutlich von der derzeitigen Mainstream-Literatur ab. Deshalb ist das Buch eine gute Bestandsergänzung, vorzugsweise ab mittleren Beständen.
Dorothee Rensen
rezensiert für den Borromäusverein.
Überführungsstücke
Ludwig Laher
Wallstein-Verl. (2016)
176 S.
fest geb.