Das Konzentrationslager Buchenwald 1937 bis 1945
Mehr als eine Viertelmillion Menschen waren Häftlinge in Buchenwald. Das zynische Motto "Jedem das Seine" am Lagertor dokumentierte die absolute Verfügungsgewalt der SS über alle Häftlinge. Die Nähe des Lagers zur Stadt Weimar bot für viele Gewerbetreibenden
und Handwerksbetriebe willkommene Geschäftsbeziehungen. Die Buchenwalder SS war wiederum in das gesellschaftliche Leben Weimars integriert. Es ist auch eine der Stärken des Buchs, die enge Verbindung des Konzentrationslagers und seiner 140 Außenlager mit dem Alltag der deutschen Bevölkerung zu zeigen. Die größte Gruppe der Häftlinge waren anfangs "Politische", dazu kamen "Berufsverbrecher", Homosexuelle, Zeugen Jehovas und willkürlich Verhaftete, die als "arbeitsscheu" galten. Ende 1938 kamen aus dem KZ Dachau über 2.000 Österreicher jüdischen Glaubens nach Buchenwald. Als Folge der Novemberpogrome wurden fast 10.000 jüdische Männer in das Konzentrationslager gebracht. Durch Epidemien, den Terror der SS und die unmenschlichen Lebensbedingungen verloren Tausende ihr Leben. Zu Kriegsbeginn kamen tschechische und polnische Häftlinge und Sinti- und Roma-Familien nach Buchenwald, ab 1941 auch russische Kriegsgefangene. Zu dieser Zeit begann die SS, planmäßig ganze Häftlingsgruppen zu vernichten. Eine wichtige Rolle spielte Buchenwald innerhalb der Kriegswirtschaft und steht beispielhaft für die enge Zusammenarbeit der SS mit der Rüstungsindustrie. Mitte Oktober 1944 wurden etwa 88.000 Häftlingen in Buchenwald und den Außenlagern ausgebeutet. Bis zur Befreiung im April 1945 waren etwa 56.000 nach Buchenwald deportierte Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder gestorben. Von den Überlebenden erhielten die wenigsten eine Entschädigung. Dem Autor ist es gelungen, diese Geschichte des Unrechts in knapper Form zu beschreiben. Auf dem aktuellen Forschungsstand fußend und prägnant bebildert, liegt hier ein grundlegendes Werk zur Geschichte Buchenwalds vor. Dieses wichtige Buch sollte in allen Büchereien verfügbar sein.
Wolfgang Jahn
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Konzentrationslager Buchenwald 1937 bis 1945
Michael Löffelsender
Wallstein Verlag (2025)
159 Seiten : Illustrationen (teilweise farbig)
kt.