Der Verschwundene

Die niederländische Theaterregisseurin Lot Vekemanns beschreibt in ihrem vorliegenden zweiten Roman den sozial verkümmerten Einzelgänger Simon, der in jungen Jahren von den Niederlanden nach Kanada ausgewandert ist. Er lebt, zurückgezogen mit einer Der Verschwundene festen Alltagsroutine zwischen Arbeit und Wohnung, mittlerweile in Calgary ein schlichtes Leben. Zu seiner Herkunftsfamilie, insbesondere den Geschwistern, hat er nur losen Kontakt. Dort hat sich immer unverstanden und wenig geliebt gefühlt. Als nun seine Schwester ihren 16-jährigen Sohn Daan für einige Zeit nach Kanada zu ihm schickt, gerät sein Leben gehörig durcheinander. Während eines Ausfluges in die Rocky Mountains, auf Wunsch des Jungen, verschwindet dieser spurlos in den Bergen. Fraglich bleibt, ob eine Reisebekanntschaft von unterwegs darin verstrickt ist. Die Polizei beginnt mit der Suche und die Eltern des Jungen fliegen aus Europa ein. Während der Suche und des Wartens wird die Sprachlosigkeit zwischen den Geschwistern und die Probleme des Jungen und seiner Eltern immer deutlicher. Das Verschwinden löst sich dann aber relativ einfach auf, denn Daan ist nach einem Streit schon mal mit der Reisebekanntschaft vorausgefahren, zurück in die Stadt, ohne Absprache oder Handykontakt mit seinem Onkel. Eigentlich eine alltägliche Geschichte, die die Spannungen im Familiengefüge und das Unvermögen im mittleren Erwachsenenalter aufzeigt, in einen klärenden Austausch zu treten, um die Verletzungen aus Kindertagen aufzuarbeiten. Schweigen und Konservieren der alten Verletzungen bedeuten eben Missverständnis und Ablehnung. Doch Onkel und Neffe lernen etwas fürs Leben aus dieser Episode. Lesenswert, wenn auch mehr „Familienaufstellung“ als Thriller.

Der Verschwundene

Der Verschwundene

Lot Vekemans ; aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann
Wallstein Verlag (2023)

226 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 616917
ISBN 978-3-8353-5534-7
9783835355347
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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