Leben ohne Folgen
Lorenz hat kurz vor der Geburt seines Kindes den Halt im Leben verloren: Während seine Frau eine erfolgreiche Karriere vorweisen kann, sucht er vergeblich nach einer Tätigkeit, die ihn mit Sinn erfüllt. Quitzow hingegen ist bereits stolzer Vater,
doch seine Ehe und damit seine Beziehung zu seinem Sohn drohen zu zerbrechen. Für Marco wiederum ist der Sorgerechtsstreit mit all seinen unschönen Facetten schon in vollem Gange. – Die Schicksale dieser und weiterer männlicher Protagonisten, die in den verschiedenen Kapiteln des Romans beleuchtet werden, verbinden mehrere Elemente: Oft handelt es sich um Väter, die sich in wirtschaftliche Abhängigkeit von einer erfolgreichen (Ex-)Frau begeben haben und nun im Zuge der Trennung aus dem Leben des gemeinsamen Sohns gedrängt zu werden drohen. Andere verpassen die Kindheit ihrer Söhne gänzlich, sei es unwissentlich oder selbst verschuldet. Wie eine rote Linie zieht sich zudem eine Leidenschaft für die Werke des Schweizer Schriftstellers Roberto Cotti durch die Geschichten dieser Männer. Der Roman fordert insgesamt eine gewisse Bereitschaft, sich auf die langsam enthüllten Beziehungen zwischen den nur scheinbar zusammenhanglosen Charakteren einzulassen.
Marlene Knörr
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Leben ohne Folgen
Roman Graf
Wallstein Verlag (2024)
449 Seiten
fest geb.