Mädchen für Morris

Als Albert Keller (68) vom Tod des Schriftstellers Jean Mason hört, über den er einst eine Biografie hatte schreiben wollen, kommt er ins Grübeln. Er denkt an seinen Sohn Morris, der als 14-Jähriger bei einem Unfall ums Leben kam. Keller versteigt Mädchen für Morris sich in die fixe Idee, ein "Mädchen für Morris" zu suchen: "Mein Interesse an ihnen galt nicht eigenen Zwecken; für meinen Sohn jedoch waren die Mädchen im richtigen Alter" (S. 26). Parallel dazu verfolgt er seinen Plan zu einer Biografie über Jean Mason weiter und nimmt dafür Kontakt zur Witwe auf. Im Hause Mason trifft er auf die 12-jährige Tochter Joelle. Albert Keller ist intelligent, ein Ästhet im Sinne von Bret Easton Ellis, der sich auf exzellenten Möbelstücken entspannt. Gleichzeitig wirft er regelmäßig Pillen ein, die aus dem Dr. Jekyll einen Mr. Hyde machen, in diesem Fall einen pädophilen Psychopathen. - Der Roman beginnt harmlos, doch mehr und mehr merkt man als Leser, wie man in ein voyeuristisches Abenteuer hineingezogen wird und sich fragt, ob man sich auf diese Weise amüsieren darf. Doch dann ereilt den unzuverlässigen Erzähler ein Nervenzusammenbruch - und der Roman bekommt einen zusätzlichen Twist, der Fiktion und Wirklichkeit verschwimmen lässt. - Großartige Literatur in der Tradition von Nabokovs Lolita.

Karin Blank

Karin Blank

rezensiert für den Borromäusverein.

Mädchen für Morris

Mädchen für Morris

Roman Graf
Knaus (2016)

300 S.
fest geb.

MedienNr.: 588009
ISBN 978-3-8135-0571-9
9783813505719
ca. 19,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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