Feuer
Das Schicksal der slowenischen Zora steht im Mittelpunkt des Romans von Ales Steger, der in Ljubljana, lebt, und mit ihr die Geschichte Jugoslawiens im 20. Jh. Hintergrund bilden die wahren Erlebnisse der Slowenin Stefka Cobelj. Der Roman beginnt kurz
nach dem 1. Weltkrieg, Jugoslawien ist jetzt Königreich und bleibt es bis 1941, danach entsteht die Republik. Zora lebt mit ihrer Familie in bescheidenen Verhältnissen. Die Beziehung zum Vater ist kompliziert. Nach dem Einmarsch der Deutschen geht Zora als Partisanin in den Untergrund, trennt sich von ihrer Familie. Die streng katholischen Eltern können das Engagement für den Kommunismus nicht nachvollziehen. Ihren ersten Geliebten verliert sie durch die Nationalsozialisten im Feuer. Nach Ende des Krieges erhält Zora nicht die Anerkennung, die sie sich verdient zu haben glaubt. Ganz bescheiden muss sie neu anfangen. Schließlich gelingt ihr, nach einem erfolgreichen Ethnologie-Studium ein bemerkenswerter Aufstieg im Kulturbetrieb, der aber plötzlich endet und ihr Lebenswerk, ein Museum für Volkskunde, geht in Flammen auf. Und Jugoslawien zerfällt nach Titos Tod in sechs Teilstaaten (sieben, wenn man den Kosovo dazuzählt). Allen Büchereien empfohlen.
Wilfried Funke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Feuer
Ales Šteger ; aus dem Slowenischen von Matthias Göritz
Wallstein Verlag (2026)
218 Seiten
fest geb.