Herr Anton verpasst den Bus
Der Zoowärter Herr Anton liebt seine Tiere so sehr, dass er mit ihnen in seiner Freizeit einen Ausflug geplant hat: mit dem Bus soll es an den Strand gehen. Doch die Aufregung ist so groß für den alten Herrn, dass er zunächst verschläft, schließlich
den Bus verpasst und auf dem Weg noch seine Mütze verliert. Die Zootiere jedoch denken für ihn mit und bügeln alle Missgeschicke aus. - Diese Geschichte eines fast verpatzten Ausflugs könnte rasant und slapstickhaft vor sich gehen. Aber nein: die Protagonisten sind vom Alter gezeichnet und unterwerfen sich notgedrungen dem verlangsamten Tempo. Und dem passt sich auch der Gang der Erzählung an: das Nickerchen auf der Parkbank, der Spaziergang der Schildkröte, der Trott von Nashorn und Elefant bremsen die Handlung ab und lenken die Aufmerksamkeit auf den erlebten Moment. Dies wird durch die schmalen Textzeilen befördert, aber vor allem auch durch die feinen Blei- und Buntstiftzeichnungen. Sie geben die Portraits der Figuren minutiös wieder, die Spuren des Alters und der Müdigkeit. Aber es wird auch vieles weggelassen oder nur angedeutet, was von den jungen Betrachtern imaginiert werden kann. Dies ist gut durchdacht und sehr souverän ausgeführt. Diese recht unspektakuläre Erzählung gewinnt dadurch eine feinfühlige, künstlerische Note.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Herr Anton verpasst den Bus
Philip C. Stead ; Illustrationen: Erin E. Stead ; aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
Gerstenberg (2023)
[56] Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 4