Für den Rest des Lebens
Chemda Horovitz liegt im Sterben und erkennt erst jetzt, dass sie das Leben, das sie sich als junge Frau erträumt hatte, niemals führen durfte. Ihre Kinder Dina und Avner gestehen sich ein, dass sie auf dem Weg sind, das Leben so zu versäumen wie
ihre Mutter. Beide stellen sich die Frage, ob sie für den Rest des Lebens unglücklich bleiben möchten oder das Risiko eingehen, etwas zu ändern. Auf mehreren Erzählebenen enthüllt sich der Lebensweg Chemda Horovitz, die nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Kibbuz aufwächst. Das Trauma des Holocaust ist noch lebendig, ihr Vater lässt ihr keine Möglichkeit, ihr Leben selbstverantwortlich zu gestalten. Erst Chemdas Kinder sind bereit, den Preis für ihre Wahl zu zahlen. Der Roman von Zeruya Shalev ist nicht nur eine Familiengeschichte. Die Autorin ist in Israel aufgewachsen, kennt die Strukturen des Kibbuz und wurde durch ein Attentat verletzt. Diese Erfahrungen bringt sie in die Erzählung mit ein. So hat sie in Chemdas Sohn Avner eine Figur geschaffen, die sich als Anwalt für die Verteidigung der Menschenrechte einsetzt und ihre Zweifel am politischen System sehr deutlich macht. In Tochter Dina werden die Umbrüche im Leben einer Frau sehr deutlich geschildert, die Angst vor der Nutzlosigkeit und die Sehnsucht, Liebe zu geben und zu erhalten. Das Hörbuch ist keine leichte Unterhaltung, aber es fesselt und wurde von Maria Schrader sehr anschaulich vertont. Sehr empfehlenswerte Literatur für Hörer, die bereit sind, sich auf ungewöhnliche Texte einzulassen.
Leoni Heister
rezensiert für den Borromäusverein.
Für den Rest des Lebens
Zeruya Shalev. Gelesen von Maria Schrader
Random House Audio (2012)
6 CD
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