Die Liebe unter Aliens
Aus den zehn Erzählungen des Luchterhand-Buches wählte man für die Hörbuchedition fünf aus. In der titelgebenden Episode versuchen ein junges Liebespaar, ein Koch in der Ausbildung und seine klammernde Freundin, über die Runden zu kommen. Trotz
erschwerter Kommunikation sorgt sich seine Chefin um ihren Lehrling, doch die Beziehung endet mysteriös. Für ihr Kind besitzt Fotografin Ella in "Ella Lamb in Mullingar" im Grunde keinen Platz. Ein verheirateter japanischer Professor in Berlin zeigt sich fasziniert von der Besitzerin einer Reinigung ("Das Geschenk oder Die Göttin der Barmherzigkeit zieht ein"). Inhaltlich erinnert "Selbstbildnis mit Geschirrtuch" über die komplizierte Beziehung eines jungen Künstlerpaares am Rande der Gesellschaft etwas an die Titelgeschichte. In der eher unappetitlichen Erzählung "Die Gepard-Frage" ergeht sich ein ehemaliger, von seiner Frau verlassener Tierpfleger nach einer Prüfungssituation in Alkoholexzessen. Die in Berlin lebende ungarische Autorin Terézia Mora erzählt von Außenseitern, Suchenden und, wie es der Titel andeutet, entfremdeten Menschen. Bewusst verzichtet sie oft auf eine stringent entwickelte Handlung und konzentriert sich stattdessen bild- und wortgewaltig auf detailreiche Beschreibungen von Existenzräumen, in denen sich ihre Protagonisten bewegen. Sensibel erzählt Mora von Hoffnungen, Sehnsüchtigen und Idealismus. Das Hörbuch lebt von den präzisen Erzählern Fritzi Haberlandt, die einfühlsam bei drei Geschichten in die Haut der jungen Frauen schlüpft, und Devid Striesow, der selbst die drastische "Geparden"-Story zwischen sachlicher Pedanterie und verzweifelter Hoffnung trägt.
Gregor Ries
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Liebe unter Aliens
Terézia Mora. Gelesen von Fritzi Haberlandt ...
Random House Audio (2016)
3 CD (ca. 229 Min.)
CD