Palast der Schatten

'Palast der Schatten' - so nennt der junge Filmvorführer Theo sein Kinematographentheater, das er zu Zeiten des Stummfilms betreibt. Die andere Hauptperson des Romans ist Carla, die sich als Klavierspielerin bei Theo bewirbt. Carla ist auf der Flucht, Palast der Schatten getrieben von einem Ereignis in der Vergangenheit, über das der Leser nicht aufgeklärt wird. Carla und Theo verlieben sich spontan und heftig, es ist für beide das große Glück. Nur, dass Carla nichts über sich und ihre Vergangenheit erzählen mag, grämt Theo. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, wird Theo eingezogen und Carla betreibt das Kino mit ein paar Freunden weiter. Theo kommt erst nach Jahren zurück, leer, verkrüppelt, zerstört. Ein normales Zusammenleben mit ihm ist unmöglich geworden. - Dieser Roman, der laufend zwischen Carlas und Theos Erlebnissen wechselt, ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen entführt er geschickt und realistisch in die Welt des frühen Films, der in seiner Dramaturgie, aber auch in Durchführung und Wirkung ganz anders ist als der moderne Film. Das gekonnte Zusammenspiel von Geräuschemacher und Sprecher, Pianist und Filmvorführer machte erst das Gesamtkunstwerk aus. Dagmar Fohl baut ihre Erzählung auf wie einen dieser alten 'Films', mit zwei verschiedenen möglichen Enden und der Entlarvung als Theater. Zum anderen beeindruckend ist die Darstellung des Krieges sowie besonders der in jeder Hinsicht verheerenden Wirkung, die das Leben an der Front auf Theos physische und psychische Gesundheit hat. Hier sind der Autorin sozusagen erzählte Filmsequenzen gelungen, deren Wirkung man sich nur schwer entziehen kann. Überall empfohlen.

Ulrike Braeckevelt

Ulrike Braeckevelt

rezensiert für den Borromäusverein.

Palast der Schatten

Palast der Schatten

Dagmar Fohl
Gmeiner (2013)

Gmeiner Original
243 S. : Ill.
kt.

MedienNr.: 576083
ISBN 978-3-8392-1461-9
9783839214619
ca. 12,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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